Yamaha R1000 12bit Reverb modding: parametric Equalizer insert

Yamaha R1000 Reverb und sein semi-parametrischer EQ

Das Yamaha R1000 ist ein recht betagtes (angeblich) 12 bit digital Hallgerät. Es ist recht günstig zu bekommen (ca. 50-80 EUR, Stand 2018). Der 80er Jahre Schepper-Hall lässt sich mit 4 Drucktastern in 4 Varianten abrufen. Das besondere am R1000 ist jedoch sein parametrischer 3-Band Equalizer. Zwar nicht VOLLparametrisch da sich die Güte nicht einstellen lässt, aber für alle 3 Bänder ist die Frequenz und Anhebung/Absenkung (+/- 15db) separat regelbar. Meist kratzen die Potis sehr unangenehm, sie sind aber hochwertig. Nach Behandlung mit Caig DeOxit laufen sie wieder für Jahre komplett knisterfrei. Der EQ wird mit dem 100% wet Reverbsignal gefüttert um selbiges zu färebn und lässt sich bypassen. Der nachfolgende Mixing-Regler (der sich übrigens zum Glück bis 100% wet regeln lässt) blendet also zwischen Einganssignal und EQ-gefärbtem Reverb.

Mod Beschreibung

Ich habe mir beim R1000 immer gewünscht, diesen schönen Equalizer auch einzeln, also ohne Hall nutzen zu können. Das lässt sich mit etwas Löterei recht einfach erreichen. Hier kommt die Anleitung dazu.

Das Ziel ist, ein Einganssignal an Stelle des Reverbs durch den Equalizer zu schicken. Dafür wird die Bypass-Footswitch Buchse genutzt, ich glaube der Verlust dieses Features ist verschmerzbar. Es wird nur die Buchse geopfert, der Bypass-Schalter behält natürlich seine Funktion. Steckt kein Kabel in der Buchse verhält sich das R1000 genauso wie immer. MIT einem Kabel in der Buchse wird der Reverb abgekoppelt und stattdessen das Signal des Kabels durch den EQ gesendet. Das R1000 ist dann ein semi-parametrischer Mono EQ.

Leiterbahnunterbrechungen um Footswitch-Buchse nutzbar zu machen

Schritt 1 – Footswitch befreien

Der Bypass-Footswitch Buchse ist eine Mono-Klinkenbuchse mit Schalter. Der Massekontakt an der Vorderkante des Gerätes kann bleiben, die beiden anderen Anschlüsse müssen von ihren Signalen abgetrennt werden. Die Buchse hängt zwischen dem Bypass-Schalter und dem Relais, also müssen wir die eben von der Buchse abgetrennten Kontake miteinander verbinden damit der manuelle Bypass-Schalter danach noch funktioniert.

Verkablung Footswitch-Buchse

Schritt 2 – Footswitch Kabel

Nun löten wir zwei geschirmte Audiokabel an die beiden Anschlüsse der Footswitch-Buchse. Die Schirmung der beiden Kabel verdrillen wir und löten sie am Massekontakt der Buchse fest. Das rote Kabel ist mit der Spitze des eingesteckten Steckers verbunden und kommt später an den EQ-Input. Das gelbe Kabel führt zum Buchsen-Schaltkontakt und wird später mit dem Reverb-Signal verbunden. Ohne Stecker schaltet die Buchse also das Reverb-Signal auf den EQ, so wie jedes R1000 im Originalzustand.

OpAmps für den EQ des R1000

Schritt 3 – Finden des EQ-Eingangs/Reverbsignales

Als nächstes müssen wir den Punkt auf der Platine finden wo das Reverbsignal dem Equalizer zugeführt wird. Dort machen wir einen weiteren Cut auf der Leiterplatte um Reverb und EQ-Input den beiden Kabeln aus Schritt 2 zuzuführen.
Die beiden 4558 Dual-OpAmps in der Nähe der EQ-Potis haben (wie alle 4558 OpAmps) ihre Outputs jew. an Pin 1 und 7. Die 4 Opamps sind zuständig für die 3 EQ-Bänder und – welches Glück – einer zum Puffern des Reverbsignales (Output mit negativem Input verbunden). Unser Reverbsignal liegt also an Pin 3 (positiver Input) des ersten OpAmps an.

Hier wird die Verbindung Reverb/EQ-Input unterbrochen

Schritt 4 – Leiterbahn auftrennen

Platine also umdrehen und versuchen Pin 3 des ersten Opamps wieder zu finden. Das Reverb-Signal wird über einen Widerstand zugeführt und 2 Kondensatoren ziehen den Eingang auf GND, wohl zur Filterung von Störungen. Ich habe die Leiterbahn direkt nach dem Widerstand aufgetrennt. Am Widerstand liegt nun das Reverbsignal und an Pin 3 des OpAmps können wir ein beliebiges Signal zuführen.

Verkabelung EQ-Input

Schritt 5 – Verbindung zur Footswitchbuchse

Der Rest ist einfach. Das rote Kabel (Pin des Steckers/Return) kommt über einen 10µ Entkopplungs-Elko an den positiven OpAmp Eingang. Das gelbe Kabel verbindet das Reverbsignal mit dem Buchsenkontakt (Send). Diese Enden des Audiokabels müssen nicht mit GND verbunden werden. Ich habe die Masselitzen verdrillt, verlötet und knapp abgenipst. Anschliessend noch etwas Schrumpfschlauch (die schwarze Hülle im Foto) darüber damit es keine ungewollten Kontake von Masse mit Platinenpins gibt.

Equalizer Input Buchse

Das war es auch schon. Nun kann der Equalizer des R-1000 separat/ohne Hall verwendet werden. Der Pegel des Signales an der EQ-Input-Buchse ist allerdings am R1000-Output etwas geringer als der über die normale Input-Buchse zugeführte. Der Mixing-Pot weiß von dem ganzen Mod nichts, soll heißen er regelt immer noch zwischen 100% dry und 100% wet. Für den EQ macht letzteres wohl den meisten Sinn.