moogOSCar – Restaurierung und Demosounds

moogOSCar – ein 30 Jahre alter Prototyp

My original Oscar in the 90ies
Mein original Oscar in der Studentenbude in den 90ern

In den 90ern war ich einst stolzer Besitzer eines echten OSCars. Ich habe eine Menge Lider damit gemacht, verkaufte ihn aber weil mir jemand ein recht guten Angebot gemacht hat, einige Jahre später bereute ich es allerdings. Der Sound und das Design des OSCar sind einfach so einzigartig, das lässt sich durch nichts ersetzen.

OSCar Überblick

Nochmal ein kurzer Blick über den OSCar allgemein. Oszillatoren, Hüllkurven, LFO und Modulationen werden digital erzeugt. Oszillatormischer, Doppelfilter und VCA sind analog. Die Digital-Oszillatoren können neben den Standardwellenformen auch additive Wellenformen liefern. Die beiden Oszillatoren kommen separat aus der CPU und werden analog gemischt und dem FIlter zugeführt. Das OSCar-Filter lässt sich geziehlt übersteuern und besteht aus zwei eigenständigen Einzelfiltern. Der OSCar kann auf Lowpass, Highpass oder Bandpass gestellt werden. Die Besonderheit des Filters ist der SEPARATION-Regler, welcher die Cutoff-Frequenzen der beiden Filter etwas auseinanderzieht und bei hohen Resonanzwerten des charakteristischen OSCar-Sound erzeugt. Weitere Features: User-Speicher (Sounds, Wellenformen, Sequenzen), Duophonie, Apreggiator, umfangreiche Re-Trigger-Möglichkeiten der Hüllkurven, monophoner Sequencer und Midi.

moogOscar - bought it broken in bad condition
moogOscar – gekauft in optische ganz gutem aber technisch kaputtem Zustand

Im September 2005 fand ich in einem musikmagazin eine Verkaufannonce. Nach ein paar Mails hatt ich einen OSCar Prototyp gekauft. Die Legende die ich darüber gehört habe eht wie folgt: Offenbar wurden im Zuge der Insolvenz der Oxford Synth Company (OSC) übrige Elektronik in alles reingebaut was man an Gehäusen finden konnte. Und da war wohl auch ein Gehäuse eines Moog Source dabei, schon mit dem Logo drauf.

Ansonsten ist es ein ‚echter‘ OSCar wie man am unverkennbaren, bewundernswerten Mainboard sehen und natürlich auch hören kann. Natürlich war es kaputt aber nichts schlimmes. Er hatte wohl eine lange Reise aus den USA hierher nach Germany hinter sich.

moogOscar - case after cleaning
moogOscar – Gehäuse nach der Reinigung

Als erstes nahm ich (nach einer Dokumentation der Anschluesse) alles auseinander um es einer Reinigung zu unterziehen. Die alte Front war zerrissen, unleserlich, kaputt. Dooferweise war sie mit Konrads Spezialkleber aufgklebt. ich brauchte 3 Stunden um das Zeug ab zu bekommen.

moogOscar - new frontpanels arrived
moogOscar – die neuen Frontpanel sind da

Ich beschloß dem guten Stück ein paar teure industriegefertigte Alu-Fronten zu gönnen

moogOscar - inner parts waiting for the case to be finished.
moogOscar – Innereien die auf das Gehäuse warten daß gerade restauriert wird. Links das Mainboard da den kompletten Synth enthält. In der Mitte der Multiplexer dier alle Potis und Schalter auf wenige Kanäle zusammendampft um die Signale dann der CPU zuzuführen. Rechts das Midiinterface

Ein Bild von den Innereien. Einige Potos mussten ersetzt werden. viele waren aber immer noch in sehr gutem Zustand da sie gekapselt waren.

OSCar-Mythen

Es gibt ein paar hartnäckige Mythen über den OSCar die ich so nicht stehenlassen möchte. Es heisst z.B, die beiden internen Filter können seriell oder parallel geschaltet werden oder womöglich stufenlos zwischen parallel und seriell geblendet werden mit dem SEPARATION-Regler. Das ist falsch, das kann vielleicht die Sherman Filterbank, aber nicht der OSCar. Der OSCar-Filter besteht aus zwei OTAs (stromgesteuerte Verstärker) auf Basis des LM13700 die in Serie geschaltet sind. Die Grundschaltung ist dem Formant sehr ähnlich der allerdings CA3080er benutzt. Die Highpass-Lowpass-Ausgänge dieser beiden in Serie geschalteten Filter werden nun über analoge Schalter so verschaltet daß dabei ein steilflankiger Lowpass, steilflankiger Highpass oder weniger steilflankiger Bandpass gebildet wird (sorry, ich weiss nicht ob 12, 18 oder wieviel db Flankensteilheit). Der SEPARATION-Drehregler legt nun lediglich die Cutoff-Frequenzen der beiden Filter mehr oder weniger auseinander um bei hohen Resonanzwerten quasi 2 Peaks auf unterschiedlichen Frequenzen zu bilden. Das Ergebnis ist der unverwechselbare, nasale, breite Röchelsound.
Man hört auch öfter der OSCar sei anfällig und schwer zu reparieren. Ich kann dazu nur sagen, meine OSCars wurden beide jahrelang ausgiebig genutzt und hatten nicht einmal einen Aussetzer oder Defekt. Es stimmt natürlich daß der Gehäuseaufbau des originalen Oscars einem nur ein Kopfschütteln entlocken kann und nicht sehr servicefreundlich ist. Die Hauptplatine ist aber sehr sauber aufgebaut, ICs sind gesockelt, es gibt keine Spezialteile und der Schaltplan ist auch übersichtlich.

Ein Blick ins Innere

moogOscar - inner view
moogOscar -Ein Blick ins Innere

stereoping_moogOSCar_multiplexer_big
Unterseite Multiplexer. Da hatte jemand ziemlich viel Geduld, Donnerwetter.

moogOscar - finished, fully working with Filter-CV-input and Audio input
moogOscar – fertig und technisch 1a mit Filter-CV-Eingang und Audio Eingang

Hier ein Bild von dem guten Stück nach erfolgreicher Gesundung

moogOscar - detail of new frontpanel. The "Frequency mod"-Pot is a mod for adjusting external CV on Filter-Cutoff
moogOscar – Detail Frontplatte . n

Frequency mod

Der „Frequency mod“-Poti ist ein Mod von mir um per externer CV die Filter-Cutoff steuern zu können. Ist ganz simpel: Der Poti für Cutoff wird vom Multiplexer abgeknipst und über eine Schutzschaltung mit der Eingangsbuchse in einen nichtinvertierenden Mixer (2x Standard OpAmp) zusammengemischt und dann dem Multiplexer zugeführt. An der Stelle wo zuvor der Cutoffpoti war. Man muss halt dafür sorgen daß der Mixerausgang die 5 Volt nicht überschreitet. Sonst kann es den DAC der PU durchhauen, das wäre dann schlecht.

Audiodemos moogOSCar