Midi-Interface Vermona ER-9

Vermona ER-9 Drumcomputer
Vermona ER-9 Drumcomputer

Vermona ER-9 Midiinterface

Vor ein paar Jahren hatte ich schonmal so eine ER-9 in wesentlich schickerem Zustand und hatte sie leider verkauft. Meine Fähigkeiten waren zu jener Zeit noch nicht soweit, daß ich mir hätte ein Midiniterface bauen können. Und ohne Midi war die ER-9 für mich relativ nutzlos. Sie klingt sehr dynamisch und obertonreich wie man im Audiobeispiel hören kann. So habe ich nun also irgendwann für 50 EUR wieder eine erstanden. Eine Stimme war tot wegen eines defekten Kondensators und das optische Erscheinungsbild war auch nicht mehr sehr schön. Aber nunja, wer sieht nach 40 Jahren schon noch aus wie neu?

Die Vermona ER-9 – kleiner Überblick

Die ER-9 wurde von den Klingentaler Harmonikawerken in der ehemaligen DDR in den frühen 1980ern gebaut. Sie hat 16 Rhythmen die sich durch Drücken mehrere Tasten auch mischen lassen. Es gibt 9 Instrumente, jedes im Level regelbar: Bassdrum, Tom, Bongo, Claves, Cowbell, Snare, Cymbal, Highhat und Maracas. Die ersten 6 Instrumente bestehen aus der üblichen double-T-Matrix, meistens mit nur 1 Transistor. Alle Instrumente werden in einem Mixer bestehend aus 2 Transistoren gemischt. Extrem sauber, einfach und effizient. Man sollte nicht alles negative glauben was über Produkte der ehemaligen DDR gesagt wird. Es wurden dort einige sehr coole und qualitativ hochwertige Produkte hergestellt. Ganz abgesehen vom weltweit ersten Kühlschrank ohne FCKW. Die ER-9 ist 40 Jahre alt und funktioniert immer noch prima. Auch das Design ist für meinen Geschmack äusserst gelungen.

Ein paar Demopatterns vom Sound der Vermona ER-9, angesteuert über Midi

Demopattern Vermona ER-9

Vermona ER-9 Drumcomputer inside. Voicecards to the left each containing 2 or 3 instruments
Vermona ER-9 Drumcomputer Innenleben. Die in Drahtschlingen-Sockel eingesteckten Instrumentenkarten enthalten 2 oder 3 Instrumente

Im Inneren werkeln mehrere gesteckte Instrumentenkarten mit 2 oder 3 Instrumenten. Auf der Oberseite jeder Voicecard finden sich mehrere Potentiometer für die Kalibrierung. Meistens einer für Level und einer für Decay (Arbeitspunkt/Dämpfung der T-Brücke). Die Cowbell hat übrigens 3 Oszillatoren – im Gegensatz zu den meisten anderen Drumcomputern mit nur 2. Wenn einem also eine ER-9 über den Weg läuft die einen pfeifenden Dauerton von sich gibt, liegt es mit einiger Wahrscheinlichkeit nur an einem verstellten Poti.

Midiinterface for Vermona ER-9. I didn't want to drill holes into it
Midiinterface für die Vermona ER-9. Ich wollte keine Löcher in die Maschine bohren

Midiinterface

Zum Midiinterface. Es besteht in der Hauptsache aus einem AtMega8. Der Code ist selbstgeschrieben, ich habe aber eine Menge gelernt von Vacolocos Opensource Triggerinterface. Ich habe die Controllerpins über eine kleine Schaltung mit Dioden direkt mit den Triggerpunkten der Voicecards verbunden. Das Interface hört (derzeit) nur auf Kanal 9. Zum einen heißt der Drumcomputer ER-9 und zum anderen wollte ich nicht noch Löcher für Learn-Taster und LED bohren. Die Triggerlänge wird durch die Anschlagsdynamik moduliert. Einige Sounds wie BD und SD lassen sich so mit Anschlagsdynamik spielen. Die anderen Voices haben allerdings einen so knapp dimensionierten Triggerpunkt daß die entweder klingen oder nicht klingen. Aber ok, man kann nicht alles haben.

Scheme to connect µController-pin with ER-9 triggerpoint of voicecard
Schaltplan um µController-pins mit den ER-9 Triggerpoints der voicecard zu verbinden

Fehlende Obertöne

Nachdem nun alles fertig war und ich den Sound der midigetriggerten Noten verglich mit Sound der internen Triggerung durch die Rhythmen, fiel mir auf daß einige Stimmen (wenn ich mich recht erinnere Tom, Bongo, Clave und Cowbell) in der allerfrühesten Attackphase einen ticken schärfer waren. bei den Miditriggern fehlte im Sound ein kleiner hochfrequenter aber angenehmer Click der dem Sound noch etwas Punch verlieh. Die Triggersignale lieferten nur 5 Volt, daran lag es wohl. Ich bastelte also einen Liftup um die Triggersignale auf 12V-Pegel zu bringen und – hurra – die midigetriggerten Sound klangen exakt wie die originalen. Zuletzt trat noch das Problem auf daß die Hihats nicht auf die Trigger reagieren wollten obwohl die Schaltung zur Cymbal fast gleich ist. Ich überging einfach die Hihat-Diode, dann lief es.

Lifting Triggerlevels of µControllers 5V to Drumcomputers 12V
Triggerlevel-Liftup von µControllers 5V auf Drumcomputers 12V
Scheme to connect µController-pin with ER-9 triggerpoint for Maracas
Plan um den µController-pin mit dem Triggerpoint der Maracas zu verbinden

Maracas

Die Maracas sind eigen. Sie werden nicht wie die anderen Voices getriggert sondern bekommen ein periodisches Rechtecksignal das an einer Tarsnsistorbasis – an welcher auch Noise anliegt – dafür sorgt daß an besagtem Transistorausgang ein periodisches Noisesignal ertönt. Diese Rechteckschwinung wird über einen Kondensator geglättezt was dann mit etwas längerem Attack und Decay wie Maracas klingt. Das Signal wird vor der Mischung noch highpass-gefiltert. Der Trigger vom µController muss sehr viel länger sein und geht über einen Potentiometer direkt an den Punkt zwischen R25 und R26.

Noch 2 Modifikationen

Komischerweise hatte meine ER9 einen extrem niedrigen Pegel der zu einem extrem miesen Störgeräuschspannungsabstand führte. Nach einigen Stunden erfolgloser Suche habe ich kurzerhand den 68k Widerstand im Feedbackkanal des Output-Amp ersetzt durch ein 1M-Pot. War sehr viel besser danach.

Eine ander hilfreiche Modifikation: Der Start-StopTaster an der Front hat 2 Funktionen: 1. er resettet den Counter für die Clock die über die Diodenmatrix die Voicecards ansteuert. und 2: er legt eine Gleichspannung an den Summenpunkt der Audiosignal der Voices um den output zu muten wenn die Maschine nicht läuft. Nun dachte ich, ich wäre schlau und könnte StartStop drücken wenn KEIN interner Rhythmus gewählt ist, um den Audioausgang zu öffnen und meine midigetriggerten Voices zu hören. Dooferweise läuft die Clock aber auch wenn KEIN Rhythmus gewählt ist und man hört dann im Ausgang ganz leise aber sörende Triggergeräusche und Cowbell-Geschepper. Also habe ich die Clock über den Schalter unterbrechbar gemacht um im Ausgang keine Störgeräusche zu haben und den Lift-up für das Ausgangsmuting abgestellt so daß der Output immer offen ist.