Eurorack – Spring Reverb Entwicklung

Spring Reverb – Federhall

Wenn im Folgenden nicht alles wissenschaftlich korrekt formuliert ist, möge man mir das verzeihen. Ich erhebe nicht den Anspruch mich als Fachmann bezeichnen zu wollen, eher als experimentierfreudigen Laien, der versucht, seine in der Praxis verifizierten Erfahrungen zu formulieren.

Die Recherche im Netz nach einem einfachen universellen Schaltplan für einen simplen Federhall war zunächst relaitv frustrierend. Viel Theorie und allerlei wenns und abers. Einmal musste die Eingangsimpedanz diesen Wert haben, dann durfte der Eingang des Federhall Tanks nicht mit Masse verbunden sein … offenbar gibt es noch keine ‚universelle Schaltung‘ die mit jedem Tank funktioniert.

Zielsetzung

Mein Wunsch-Federhall-Eurorack-Modul sollte folgende 4 Eigenschaften erfüllen

  • soll mit möglichst jedem Tank funktionieren, egal welcher Impedanz oder grounded/insulated Buchsen
  • Equalizer zur Klangformung des Halles
  • Möglichkeit zur geziehlten Übersteuerung des Tanks
  • möglichst wenige Bauteile für kleine Bauform und einfachen Aufbau
Eurorack Spring Reverb bestückte Platine von Protoype 1
Eurorack Spring Reverb bestückte Platine von Protoype 1 – zu dumm daß der Stecker für die Spannungsversorgung nicht mehr draufpasst nachdem die Frontplatte angeschraubt ist :-)

Ich probierte also alles Mögliche an Schaltungen die ich finden konnte aus, kaufte 10-15 möglichst unterschiedliche Hallspiralen, besorgte mir ein altes Tapco Stereofederhallgerät mit 4 band EQ um zu sehen wie es die Profis machen und setzte Teile von Alledem mit den Ergebnissen eigener Forschung wieder zusammen. Die Schaltung ist also nicht von Grund auf von mir entwickelt, das könnte ich gar nicht. Ich habe nur mit bestehenden Schaltungen experimentiert und dieses Modul kam dabei heraus.


Nachdem auf dem Breadboard alles problemos lief entwickelte ich den ersten Prototypen mit vertikalen Alpspotis, welche praktischerweise direkt auf die Platine gelötet werden. Das Ganze war zwar sehr schön kompakt aber irgendwie wirkte das Drehgefühl der Potis aufgrund ihrer schmalen Achse und ihrer Leichtgängigkeit nicht wirklich stabil und wertig. Ausserdem macht ich den grandiosen Fehler den Powerconnector auf die OBERseite zu packen. Da zwischen Leiterplatte und Front aber nur 10 mm Luft blieben konnte ich diesen leider nie aufstecken. Ich musste ihn auf der Rückseite anlöten :-P


Beim 2ten Protoypen verwendete ich die modulsystemtypischen, schwergängigen Potis mit geriffelter Achse. Vom Bediengefühl war zwar alles wertiger und stabiler, aber dafür plötzlich ziemlich fummelig durch die notgedrungene Enge der logischerweise deutlich breiter gewordenen Knöpfe. Für den finale Modul werde ich wohl doch wieder zu den schlanken Alpspots zurückkehren.

Eurorack Spring Reverb Front von Protoype 1
Eurorack Spring Reverb Front Protoype 1 – irgendwie gefällt er mir besser als Prototype 2

Parameter

Es gibt 4 Regler mit denen man alles an Charakterfacetten aus seinem Tank rausholen kann, die er bietet. Ein und derselbe Tank kann sehr unterschiedlich klingen, je nachdem wie man ihn spannungs- und stromtechnisch ansteuert.

Anschluss des Tanks Der Tanks wird über ein simples Cinch-Stereokabel direkt an das Modul gestöpselt. Dem Modul ist es egal ob die Eingangs- oder Ausgangsbuchsen des Tanks auf Masse liegen oder vom Gehäuse isoliert sind.

  • Send Level Hier stellt man die Spannungsverstärkung des Verstärkers ein, der die Eingangsbuchse des Tanks beschickt, also quasi der Lautstärkepegel der in den Tank reingeht. Dieser Regler bestimmt somit die Sättigung oder -je nach Stellung – den Verzerrungsgrad in der Eingangsspule des Tanks und ist somit maßgeblich für den ‚Sound‘ des Halls verantwortlich.
  • Recover Level Nachdem die EIngangsspule die Federn in Wallung gebracht hat, liefert die Ausgangsspule des Tanks über magnetische Induktion einen ganz kleinen Strom. Dieser wird zigfach verstärkt vom Recover Verstärker. Hier stellt man ein wie stark diese Verstärkung ist. Dieser Regler hat keine klangverändernde Wirkung. Wenn sich etwas am Klang verändert dann höchstens weil der Verstärker selbst übersteuert wird. Aber das hat nichts mit der Hallspirale zu tun und ist hier unerwünscht. Der Recover Level dient eher der Level-Anpassung des – je nach Send Level – im Pegel sehr stark schwankenden Hallsignales an das trockene Eingangssignal.
  • Dry Wet Hat auch keine klangverändernde Wirkung. Ganz links ist das trockene Signal und ganz rechts das 100%ig ‚wet‘-e Hallsignal. Man kann das Modul also auch gut im Insertweg des Mixers nutzen
  • Strombegrenzer Dieser Pot ist ist direkt zwischen den Send-Verstärker und den Tank geschaltet. Er hat die Aufgabe die Stromstärke zu begrenzen mit der die Eingangsspule des Tanks betrieben wird. Das hat weniger Auswirkungen auf den Pegel als man denkt, shapet den Charakter des Sounds aber zusätzlich. Je mehr man diesen mit 500 Ohm ohnehin sehr kleinen Pot weiter zudeht (Richtung 0 Ohm), desto schriller und obertonreicher klingt der Tank. Zusammen mit dem Sendlevel hat man die volle Kontrolle über die Ansteuerung der Hallspirale.
  • 4 band EQ Der 4-Band Equalizer ist schlicht der Bringer. Er sitzt nach dem Recovery Amp und bearbeitet das pure Hallsignal. Mit diesem EQ lässt sich enorm tief und wohltuend in den Hallsound geziehlt eingreifen.
Eurorack Spring Reverb Rückseite von Protoype 2
Eurorack Spring Reverb Rückseite Protoype 2 – zwei Platinen sind nicht optimal für DIY
Eurorack Spring Reverb Front von Protoype 2
Eurorack Spring Reverb Front von Protoype 2

Sound demo