Compact Phasing A Clone

Fertige Platine Compact Phasing A Clone
Fertige Platine Compact Phasing A Clone

Hier folgen ein paar Infos, Fotos und ein Demovideo zum J. Haible Clone des legendären ‚Schulte Compact Phasing A‚ aka ‚Krautrock-Phaser‘ und meinen persönlichen Modifikationen. Der Clone hat einige Abweichungen zum Original. Der Text hier bezieht sich daher auf den Clone, mehr Infos, auch zu den Unterschieden finden sich auf der Quellseite von Jürgen Haible’s Compact Clone..

Die Phasing Legende

Phaser gibt es sehr viele. Einer der sagenumwobensten und beliebtesten ist der ‚Compact Phasing A‘ von Gerd Schulte aus Berlin. Das Prinzip: 2 Glühlampen werden von einer LFO in der Helligkeit moduliert. Auf jede Lampe sind 4 lichtabhängige Widerstände (LDR) gerichtet. Jeder dieser 8 LDRs hängt jeweils an einem Phasenschieber-Operationsverstärker. Diese 8 OpAmps sind dann hintereinander geschaltet. Nach dem 2. Phasenschieber gibt es einen regelbaren Rückkopplungszweig (FEEDBACK). Wenn die Abdunkelungskappen von den Lampen genommen werden kann man den Phaser auch sehr schön mit den Händen ’spielen‘ indem man die Lichstrahlen z.B. einerTischlampe abdunkelt.

Hinweise zur DIY-Platine

Die DIY-Platine von Thonk hatte ich gleich mit dem sehr emfehlenswerten Zusatzpaket aus Lampenfassungen, lichtabhängigen Widerständen, Kühlkörpern, Relais usw. bestellt. Die ‚restlichen‘ Teile zu besorgen ist allerdings aussergewöhnlich nervig. So gibt es über 25 (!) verschiedene Widerstandswerte und 16 verschiedene Kondensatoren. Wenn alle in separaten Plastikbeutelchen vom Teile-Versender kommen freut sich die Umwelt.

Der Zusammenbau war problemlos, die Platine ist einwandfrei dokumentiert und gefertigt. Alles lief auf Anhieb. Etwas verwirrend ist daß es neben dem FEEDBACK Poti noch einen RESONANCE Trimmer gibt den man optional auch brücken oder auch als eigenes Poti auf die Frontplatte legen kann. Ein RESO Trimmer auf der Platine macht Sinn für eine Kalibrierung, um bei Vollausschlag des FEEDBACK Potis den Phaser zum Pfeifen zu bringen. Auf die Frontplatte muss er aber wirklich nicht. Es gibt 3 Jumper für STAGES um den Phaser als 2, 4 oder 6 Stage-Phaser zu betreiben. Aus meiner Sicht lohnt es sich hier einen 3-Stufen-Drehschalter zur Umschaltung einzuplanen. Eine 3er-Reihe der Jumper ist verbunden, es reichen also 4 Kabel zur Frontplatte. Die 100n SMD-Widerstände unter den 8 OpAmps habe ich nicht bestückt. Ich habe mich auf 2 normale 100n caps halbwegs ‚in der mitte‘ beschränkt die sich prima von unten auf die SMD pads löten lassen.

Glühlampe mit LDRs
Glühlampe mit LDRs

Funktionen der Regler und Buchsen

Der Compact Phasing Clone hat von Hause aus 4 Potis, 2 Buchsen und 1 Schalter und 1 Taster.

  • Poti RATE – regelt den Speed des LFO, der die beiden Glühlampen an- und abschwellen lässt. Die Charakteristik ist logarithmisch und es wird so angelötet, daß die Rate am Rechtsausschlag langsam ist, also gegen den Uhrzeigersinn schneller wird. Der Vorteil: mehr Regelweg im langsamen Rate-Bereich
  • Poti PHASING (AMPLITUDE) – hat 2 Funktionen, je nach Stellung des Schalters MANUAL. Ist der MANUAL Switch offen, so regelt man hier die Intensität des LFO auf die Glühlampen. Bei voll zugedrehtem Poti stehen die Lampen auf halbe Helligkeit, dazu unten mehr bei ‚OFFSET Regler‘. Ist der MANUAL Switch geschlossen, kannst Du mit PHASING manuell die (statische) Lampenhelligkeit und damit die Phasing-Frequenz einstellen. Das macht richtig Spass.
  • Poti FEEDBACK – regelt die Menge an Rückkopplung. Man könnte auch sagen die Tiefe des Phasing-Effektes (nicht der LFO-Modulation) bis zur Selbstoszillation
  • Poti MODULATION – regelt die Intensität des Pseudo-Stereo-Effektes. Der komplette Signalweg ist beim Compact Phasing A natürlich Mono. Mit diesem Poti wird eingestellt, inwieweit der rechte Output-Kanal das Signal VOR oder NACH der Phasingstufe ausgibt. Das Resultat ist eine Phasenverschiebung zwischen links und rechts für einen Stereo-Effekt.
  • Buchse RATE – hier kann ein Schweller-Pedal angeschlossen werden um mit dem Fuß die RATE zu verändern – wahnsinn, brauche ich nicht. Ich habe daher erst gar keine Buchse angeschlossen.
  • Buchse AMOUNT – diese Buchse ist normalisiert – steckt nichts drin wird die Spannung von LFO/PHASING an den Lampentreiber geleitet. Auch hier kann ein Pedal/Poti eingeschleift werden um manuell LFO-Intensität oder Lampenhelligkeit einzustellen, je nach Stellung des MANUAL Switches. Interessant – hier kann auch eine externe Steuerungsspannung (0-15V) eingeschleift werden um die Lampenhelligkeit (und damit die Einsatzfrequenz) des Phasers z.B. per Midi zu steuern und zur Musik zu synchronisieren. Wird im Demovideo gezeigt.
  • Schalter MANUAL – wirkt zusammen mit dem PHASING Poti. OFF: PHASING regelt die Intensität der LFO auf die Lampenhelligkeit. ON: LFO ist abgeklemmt und PHASING regelt die Lampenhelligkeit ‚manuell‘.
  • Taster ON/OFF – eigentlich müsste hier ein Taster hin, ich hatte aber nur einen Schalter da. Wird dieser Taster geschlossen so öffnet/schliesst ein Effekt-Bypass-Relais mittels eines FlipFlops. Die LED leuchtet entsprechend oder ist dunkel.
Compact Phasing A Clone
Compact Phasing A Clone

Gehäuse und Lampenabschirmung

Ohne ein gescheites Gehäuse bleibt so eine Platine Bastelei. Die Platine möchte 2 x 18 V Wechselspannung. Es braucht also noch einen externen Trafo mit Primärsicherung (!). Auch die Platine sollte mit Abstandshaltern fest verschraubt werden. Wenn die Abstandshalter nicht allzu hoch sind passt der Clone trotz der hohen Kühlkörper in ein 1HE 19″-Gehäuse. Ich hatte noch so ein Gehäuse übrig. So richtig schön ist das alles nicht, aber wenigstens zuverlässig und funktionell. Die LDRs rund um die beiden Lampen sollten vor Umgebungslicht geschützt werden sonst steigt womöglich die Phasingfrequenz wenn jemand das Studiolicht anschaltet. Ich habe 2 Stücke Schrumpfschlauch mit Durchmesser 15mm darüber gestülpt, die hoffentlich nicht zusammenschrumpfen durch die Wärme der Lampen :-)

Ein Muss: der OFFSET-Mod
Ein Muss: der OFFSET-Mod

Kalibrierung

Die Kalibrierung gestaltete sich aussergewöhnlich schwierig denn … ne, nur Spass ;-) Im Grunde machte es keinen großen Unterschied was ich an den Trimmern RANGE oder LOW LIMIT einstellte.

Modifikation 1 – der OFFSET Regler

Soweit klang der Phaser schon ziemlich schön. Eine Sache nervte mich aber: die Amplitude (vertikale Schwingungsausdehnung, Stärke) der LFO – geregelt per INTENSITY – erfolgt immer von der mittleren Helligkeit aus. Erläutert anhand von 4 Positions-Szenarien des INTENSITY Reglers:

  • Linksausschlag von INTENSITY: 0% LFO, 50% Helligkeit
  • 25 % INTENSITY: 25% LFO, Schwingung von Helligkeit zwischen 35% und 65%
  • 50 % INTENSITY: 50% LFO, Schwingung von Helligkeit zwischen 25% und 75%
  • 75 % INTENSITY: 75% LFO, Schwingung von Helligkeit zwischen 15% und 85%
  • Rechtsausschlag von INTENSITY: 100% LFO, Schwingung von Helligkeit zwischen 0% und 100%

So, und wenn man nun aber möchte, daß die LFO ganz wenig moduliert während der Phaser im unteren Frequenzbereich (=’wenig Helligkeit‘) liegt? Das entspräche im obigen Szenario etwa 20% LFO bei 15% Helligkeit. Richtig – geht nicht!

Es fehlt ein OFFSET Parameter der bestimmt, wo die ‚Mitte‘ liegt um welche herum die LFO die Helligkeit der Lampen regelt. Glücklicherweise ist dazu gar nichts Besonderes zu modifizieren. Wir müssen bloß den Spannungteiler aus R12 (9.1k)/R13 (10k) ersetzen durch ein Poti mit 22kOhm. Rechts ist ein Foto der Position auf der Platine, im Demovideo wird die Auswirkung gezeigt.

Ein Kann: LED-Mod
Ein Kann: LED-Mod

Modifikation 2 – LED als Brighness indicator

Es gibt auf der Platine einen Stecker LAMP. Hier kommt normalerweise eine dritte Glühlampe dran um auf dem Frontpanel den aktuellen Glühzustand der Lampen im Inneren anzuzeigen. Wenn man nun (wie ich) keine geeignete Glühlampen-Fassung für die Frontplattenmontage hat kann man auch ausweichen auf eine LED. Der eine Pol der LAMP Fassung bleibt ungenutzt. Der andere geht über 330 Ohm an die LED. Der Minuspol der LED kommt an GND.

Demo video Compact Phasing A clone